Wer bist du: Czakan?

Mystische Flötentöne to go

8. Juli 2026

Lesezeit: 5 Minute(n)

Text: Rudolf Gstättner und Elisabeth Schatz Fotos: Thomas Caks, Stadtgemeinde ­Oberwölz, Holzwelt Murau

Ein Spazierstock, dem man mystische Töne entlocken kann? Das klingt nach Biedermeier-Zauber – und genau das ist sie, die Spazierstockblockflöte, kurz Stockflöte oder auch Czakan genannt. Sie ist ein multifunktionell einsetzbares Instrument: einerseits Spazierstock, dem man geheimnisvolle Töne entlocken kann, andererseits Flöte, die auch als Spazierstock dient.

»Sie ist ein besonders fantasievolles und kurioses Objekt.«

Spazierstockblockflöte (Czakan), Mitte 19. Jh., Buchsbaumholz, Länge: 83 cm, Ø: 4 cm, Provenienz: Steirischer Chorverband; Jakob Eduard Schmölzer (unsicher); Stephan Koch (Instrumentenbauer, Wien).

Der Flötenvirtuose Anton Heberle erfand dieses Instrument und setzte es erstmals 1807 bei einem Konzert im ungarischen Pest ein. In der k.u.k.-Monarchie erfreute es sich im österreichisch-ungarischen Raum größter Beliebtheit, da es ganz dem Zeitgeist des Biedermeier entsprach: Diese musikalische Epoche brachte zahlreiche gesellige Musikformen wie den Walzer und die Hausmusik hervor. Durch die einfache Transportierbarkeit war die Stockflöte auch für das spontane Zusammenspiel mit anderen Instrumenten wie Klavier und Gitarre im ländlichen Raum prädestiniert.

Die Spazierstockblockflöte aus dem Österreichischen Blasmusikmuseum Oberwölz wurde vom Wiener Instrumentenbauer Stefan Koch in der Mitte des 19. Jahrhunderts gefertigt und gehörte vermutlich Jakob Eduard Schmölzer (1812–1886). Der bekannte steirische Volksliedsammler, Komponist und Flötenvirtuose lebte ab 1857 in Kindberg. Er vertonte unter anderem Gedichte von Peter Rosegger und engagierte sich zeit seines Lebens für steirische Chöre, für die seine Lieder heute noch wichtig sind. Schmölzer war außerdem Mitbegründer des Chorverbands Steiermark, der dem Museum das Objekt als Dauerleihgabe zur Verfügung stellt.

Wer bist du: Steiermark?

»Sie ist ein Unikat des Museums«, erzählt Rudolf Gstättner, der seit August 2017 das Österreichische Blasmusikmuseum in wissenschaftlichen Belangen leitet, »und stellt die Verbindung von anfänglicher Bläsermusik hin zum Gesamtspektrum der Instrumente dar, die das Museum zu bieten hat.« Eingereicht wurde der Czakan – ein besonders fantasievolles und kurioses Objekt – vom Österreichischen Blasmusikmuseum Oberwölz im Rahmen des Projekts Wer bist du: Steiermark? des Museumsforums Steiermark. Als eines von 50 ausgewählten Objekten bildet er ein Mosaiksteinchen im bunten Bild der kulturellen Vielfalt der Steiermark.

Ausgehend von der Frage Wer bist du: Steiermark? rief das Museumsforum Steiermark im Jahr 2022 Mitarbeitende steirischer Museen auf, spannende Museumsobjekte einzureichen und von ihrer Bedeutung für die Region und die Menschen vor Ort zu erzählen. Denn durch das Sammeln, Dokumentieren und Erzählen der Geschichte(n) musealer Objekte werden vergangene Lebens- und Arbeitsweisen und damit das kulturelle Erbe der Steiermark in Erinnerung behalten und für die Nachwelt interpretierbar.

In Sonderausstellungen werden wechselnde musikalische Themen vertieft.

50 Objekte – hunderte Geschichten

Das Echo war groß: Von 117 Einreichungen aus 72 Museen wählte eine zehnköpfige Jury schlussendlich 50 Exponate aus, die zur Teilnahme an einem umfangreichen Programm eingeladen wurden: Neben dem Katalog, der käuflich zu erwerben ist, umfasste das Projekt Wer bist du: Steiermark? 50 Filme, eine Ausstellung im Volkskundemuseum am Paulustor in Graz sowie die Erzählcafé-Reihe Was erzählst du: Steiermark? in sieben steirischen Museen. Das Projekt wurde in Kooperation mit dem Land Steiermark, der Volkskultur Steiermark GmbH, dem Volkskundemuseum am Paulustor und 50 steirischen Museen realisiert und ist auf YouTube sowie der Webseite des Museumsforums Steiermark abrufbar. Es ermöglicht tiefe Einblicke in die steirische Museumslandschaft und weite Ausblicke auf die Geschichte des Landes.

Das Team des Museumsforums Steiermark besuchte damals die in der ganzen Steiermark verstreuten Museen und Sammlungen, um sich vor Ort von den Museumsteams selbst diese Geschichten erzählen zu lassen. Dabei wurde die vielfach ehrenamtlich und im Verborgenen geleistete Museumsarbeit vor den Vorhang geholt und wertgeschätzt.

Blasmusikmuseum Oberwölz

Das Österreichische Blasmusikmuseum Oberwölz

Schon seit den 1970er-Jahren gab es in Österreich Bestrebungen, ein Zentrum zur Erforschung des Blasmusikwesens zu schaffen. 1997 war es so weit: das Österreichische Blasmusikmuseum öffnete in Oberwölz – untergebracht in historischem Gemäuer – seine Pforten für Besucherinnen und Besucher. Die ständige Ausstellung zur Blasmusik im Wandel der Zeit präsentiert die Entwicklung der unterschiedlichen Holz-, Blech- und Schlaginstrumente, die in der traditionellen Besetzung österreichischer Blasmusikkapellen vorhanden sind, und bietet einige besondere Ausstellungsstücke, die im Laufe der Zeit aus den Orchestern verschwunden sind. Darunter befinden sich etwa ein Serpent aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und eine Ophikleide als Vorläufer der heutigen Tuba. Beide Instrumente erscheinen uns heute fremd und passen auf den ersten Blick überhaupt nicht zu den in der Gegenwart verwendeten Instrumenten. Die Dauerausstellung zeigt aber auch zahlreiche weitere Exponate im Zusammenhang mit der Entwicklung der Blasmusik sowie eine Tonbildschau. Besonders sehenswert und vielfältig ist auch die Sammlung an Uniformen und Trachten von Musikkapellen aus den verschiedensten Regionen Österreichs.

Für die kleinsten Besucher und Besucherinnen wird der Museumsbesuch durch eine Museumsrallye besonders aufregend gestaltet und im Anschluss an den Museumsbesuch können sich alle Gäste selbst an unterschiedlichen Instrumenten versuchen.

Ein reichhaltige Sammlung prägt das Österreichische Blasmusikmuseum & Heimatmuseum, Oberwölz.

Klingende Geschichte(n)

Das Blasmusikmuseum dient außerdem der musikwissenschaftlichen Forschung: Neben einer umfassenden Fachbibliothek beheimatet es seit 2009 auch das Archiv- und Dokumentationszentrum des Österreichischen Blasmusikverbandes, welches jährliche Sonderschauen zu Jubiläen einzelner Landesverbände oder zu weiteren Themen in Verbindung mit dem Blasmusikverband zeigt. Im Jahr 2026 präsentiert das Dokumentationszentrum Beiträge zu den Themen 100 Jahre Liechtensteiner Blasmusikverband und 75 Jahre Österreichischer Blasmusikverband sowie zum Bundeswettbewerb für Bläserkammermusik und Philharmonikerprojekt. Eine umfangreiche Tonträgersammlung macht zudem die Vielfalt der zivilen und militärischen Blasmusik- und Bläserszene akustisch erlebbar.

Seit 2019 ist das Museum über eine Kooperation mit dem Österreichischen Bundesheer in die Fachausbildung der Militärmusikerinnen und -musiker sowie in den Aufbau einer Militärmusik-Sammlung eingebunden, für die erstmals die Geschichte und Funktion der österreichischen Militärmusik aufgearbeitet wurde. Diese wird seit Mai 2025 in der Sonderschau Zauber der Militärmusik einer breiteren Öffentlichkeit vermittelt. Die Lehrsammlung soll darüber hinaus auch eine kritische Auseinandersetzung mit Militärmusik in wechselnden politischen Systemen wie Kaiserreich, Ständestaat, Nationalsozialismus und Republiken beinhalten.

www.oberwoelz.gv.at

Österreichisches Blasmusikmuseum Oberwölz, Stadt 15, 8832 Oberwölz

Öffnungszeiten: 31. Mai bis 28. Juni: Freitag bis Sonntag, jeweils 10 – 17 Uhr | 3. Juli bis 13. September: täglich 10 – 17 Uhr | Führungen für Gruppen sind jederzeit nach Voranmeldung möglich.

Weitere Informationen und Kontakt: +43 3581-7366 oder -8203,
E-Mail: museum@oberwoelz.gv.at
Web: www.oberwoelz.gv.at

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Aufmacher:
Ein reichhaltige Sammlung prägt das Österreichische Blasmusikmuseum & Heimatmuseum, Oberwölz.

Museumsforum Steiermark

Das Museumsforum Steiermark ist das Kompetenzzentrum für Sammlungsarbeit am Universalmuseum Joanneum und begleitet Museumsverantwortliche mit umfassender Expertise in musealer Objektdokumentation, Sammlungspflege und -erhalt sowie Sammlungskonzept und Förderberatung. Es bietet praxisnahe Unterstützung in Form von Kursen, Hands-on-Workshops oder Werkstattgesprächen und unterstreicht in Veranstaltungen wie den Erzählcafés Was erzählst du: Steiermark? die Bedeutung steirischer Sammlungen.

Der Katalog Wer bist du: Steiermark? mit seinen 160 Seiten ist hier erhältlich:

info@museumsforum-steiermark.at
www.museumsforum-steiermark.at

Ein Artikel in Kooperation mit dem Steirischen Volksliedwerk.

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